Liebste Leser,
erstmal moechte ich klarstellen, dass es mir hier bei meiner neuen Gastfamilie echt wundervoll geht. Die Familie ist super und das taegliche Leben macht schon viel mehr Spass. Auch ohne grosse Trips fuehl ich mich hier viel wohler als in meiner vorherigen Situation.
Mit diesem Artikel moechte ich aber auch noch zum Abschluss der ganzen Geschichte mitteilen, wie die letzten Wochen mit dem Jim in Sachen reisen und Trips abliefen:
Da mein letzter Beitrag schon mehr als einen Monat alt ist, beginne ich am besten anfang Februar, als ich eines kalten Wintermorgens aufwachte und eine Mail vom Jim las in der stand, dass er fuer in einer Woche einen Flug fuer uns drei nach Ecuador gebucht haette. Ich war natuerlich total ueberrascht und hab erstmals gedacht es war nur ein Scherz. Am kommenden Mittwoch, sassen wir dann allerdings alle schon im Flieger nach Miami und von dort dann weiter nach Quito, Hauptstadt Ecuadors zu fliegen. Als wir in Quito ankamen wurden wir von der Familie Crespo, Eltern eines frueheren Gastschuelers Jims, abgeholt und haben eine kleine Rundtour der schoenen alten Stadt bekommen. Es war echt toll, denn die Stadt ist wirklich schoen und ueberall sind extreme Huegel, mitten in der Stadt, und um die Stadt herum, die groessten Berge und Vulkane die in den Himmel ragen.
Der Abend war echt schoen und Herr Crespo, ehemaliger Opernsaenger, und sein anderer Sohn haben uns dann auch das ein und andere Staendchen gesungen. Die Stimmen beider Maenner war wirklich fabelhaft. Als sie uns so in der Nacht herumfuhren bogen wir versehentlich in eine Einbahnstrasse, worauf wir sofort von der Polizei gestoppt wurden. Alle (4) Polizisten waren ausgestattet mit den groessten und dicksten Waffen, die ich bisher nur in Horror/Action filmen gesehen hab. Das gab uns schon ein komisches Gefuehl in der Magengegend. Als die Crespos ihnen dann die Situation erklaerten fanden wir sofort verstaendniss der Polizisten und sie erklaerten sich unverzueglich dazu bereit uns durch Quito’s Strassen zu eskortieren. Warum weiss ich nicht, denn es war wirklich nicht noetig, aber lustig wars allemale!
Am naechsten Morgen gings dann mit einer nationalen Fluggesellschaft nach Loja, der Stadt in der meine Schwester im Moment „lebt“, doch leider war sie grade beschaeftigt mit Fahrradfahren in Chile…
Vom Flugzeug aus konnte man die atemberaubende Landschaft betrachten und meine Augen konnten sich garnicht sattsehen. Loja war echt eine nette Stadt, ebenfalls umringt von gigantischen Gebirgsketten. Der Flughafen ist einer der gefaehrlichsten der Welt, denn umringt von all den Bergen, gelingt es nur den erfahrensten Piloten eine Sichere Landung zu erfolgen.
Am Flughafen wurden wir von Herr Celi und Luisa abgeholt. Herr Celi, war Jose’s Vater, ein wirklich freundlicher und hilfbereiter Mann, zugleich einer der reichsten Menschen Ecuadors, der allerdings leider keinerlei Englischkenntnisse besass, und daher war Luisa da! Luisa war eine Freundin der Familie, die ein hervorragendes Englisch sprach und somit als Uebersetzer diente. Am ersten Tag fuhren wir zum Hotel und anschliessend beschlossen wir in ein kleines Doerfchen zu fahren, dass von einem der Urvoelker belebt wurde. Die Fahrt war ca einundhalb Stunden lang und als wir schliesslich ankamen, waren wir in einer anderen Welt. Die ganzen Leute waren in traditioneller Tracht eingekleidet und touristen gegenueber aeusserst Scheu, was ich absolut nachvollziehen kann… So wie sich manche Menschen da verhalten. Unglaublich.
Naja das kleine Doerfchen war total huebsch und farbenfroh, wohingegen die Tracht der Bewohner simples Schwarz von Kopf bis Fuss war. ( Ecuadoriansche Huete in Schwarz waren dort natuerlich Tradition)
Am Rueckweg machten wir halt bei einer Kaeserei wo wir dann hausgemachten Kaese kosten durften. Als ich dann allerdings einen Schritt in den Hinterhof machte, verdarb mir der Anblick den Appettit fuer die naechsten Stunden.
Im Allgemeinen wird Hygiene in Suedamerika kleingeschrieben. Taeglich, doch besonders an Wochenendtagen, werden ganze Schweine an Hacken aufgehaengt und entzweit, das alles im Eingangsbereich des Hauses. Diese Schweine werden dann frisch geschnitten und je nach Beduerfnis des Kunden verkauft.
Die naechsten Tage verbrachten wir folgender Massen:
An einem Tag wurden wir eingeladen auf eine Farm von Herr Celi’s Freund. Dort war eine grosse Party von einer „ecuadorianischen Cowboy“-Gruppe angekuendigt. Die Fahrt dorthin stellte sich als lebensgefaehrlich heraus. Fuer ca. 2 Stunden mussten wir auf einer extrem Steilen Serpentinen Strasse, den Berg entlang nach unten Fahren. Wenn der Berg allerings bereits 2.5 Km ist, wird das ganze nochmal gruseliger. Mir gings an dem Tag ausserdem sowieso nicht so gut und somit mussten wir so einige Stops einlegen. Achja, das wichtigste hab ich noch vergessen: Die Strasse war grade mal ca. 4 Meter breit und Schotter.
Als wir dann allerdings gottseidank heil unten ankamen, war ich seht aufgeregt, denn ich sah was uns bevorstand: Ein Zieh-lift ueber den Fluss um ans andere Ufer zu gelangen. Eine Gruppe von Farmjungs erwartete uns schon dort und als wir uns in das Metallgestell setzten wurden wir auch schon von 3 Typen hinueber gezogen. Das ganze ging schnell und war echt total aufregend.
Anschliessend erwarteten uns Pferde auf denen wir dann die letzten Meter bis zur eigentlichen Farm reiten durften. Das war mein erstes Mal reiten und es hat wirklich Spass gemacht.
Auf der Farm gabs dann auch so einiges zu erleben! Es war eine Party von einem der Cowboys und er laedt einmal im Monat die Gruppe von Freunden ein, wo dann getrunken, getanzt, gegessen und gespielt wird. Es war echt toll das alles mal zu erleben, denn es war sehr privat und persoehnlich. Wir wurden mit „Sarobota“ Fruechten willkommen, die ich auch das erste Mal probierte und natuerlich haben sie mit Geschmeckt.
Zum essen gab es allerdings Sonnengetrocknetes Fleisch und Wurzeln von einer Pflanze die ich vorher noch nie gesehen hab. War alles aeusserst komisch, besonders mit den ganzen Insekten die dort ueberall herumrannten.
Die Farm war eine Fruchtfarm und somit gab es auf dem riesengrossen Terrain so einiges an koestlichkeiten zu probieren! Ich als Mangoliebhaber, hab dort die perfekten Mangos genossen, aber auch Bananen, Orangen, Limetten, Zitronen, Papayas, und und und. Es gab auch so einiges an Fruechten, die es sonst nirgends zu sehen gibt, und allesamt waren sie koestlich, saftig, fruchtig, einfach genial.
Der Tag verging und als es schliesslich Abend wurde bin ich noch ein wenig herumgeritten, bevor es dann nach Hause ging. Als wir also grade los wollten und grade ueber den Fluss kamen, stellte sich heraus, dass eins der Autos steckengeblieben ist und in den Strassengraben entgleitet ist. Das erforderte natuerlich eine Stundenlange Spanische Diskussion der Maenner in stroemenden Regen und Finsternis. Als wir dann letztendlich die einzige Moeglichkeit wahrnahmen, war das ganze ein akt von grademal 5 Minuten.
Die Fahrt zurueck war echt schlimm und bereitet mir Heute noch Gaensehaut, im Stroemenden Regen am steilsen Abhang ueberhaupt in die Schwarze Nacht.
Naja ich habs ueberlebt
Ansonsten haben wir einen Tag mit Jose auf einer anderen Farm verbracht, denn sein Vater besitzt 3 Farmen mit mehr als 80 Pferden. Er besitzt auch das wertvollste Pferd Suedamerikas. Auf der Farm gabs dann weiteres Fruchtessen und alles war superlustig. Billiard haben wir auch mal wieder gespielt und so langsam begreifs ich es!
Als es dann mit Jose und seinem Vater wieder zurueck nach Quito ging, war der Trip auch schon fast zu Ende. In Quito haben wir dann allerdings noch „Die Mitte der Welt“ und die „Madonna-Statue“ besucht. Das war alles ziemlich cool und aufregend. Ausserdem waren wir auf Quitos hoechstem Berg, dem Pichincha, der 4,790 Meter in den Himmel ragt. Die Luft dort oben war extrem duenn!
Kuehl war es dort aber nicht sonderlich, denn wir waren ja direkt am Aequator.
Am Rueckweg stoppten wir noch in Miami und verbrachten einige Stunden in Miami Beach, was echt ganz cool war. Aber im extremen Kontrast zu der ganzen geballten Naturpower in Ecuador, gab es dort die hoechsten und glaenzesten Hochhaeuser, Markenzeichen der USA.
Ja Ecuador war wirklich wunderschoen und ich werde die monstroesen Berge nie vergessen. Wenn ich je wieder die Gelegenheit bekomme Ecuador noch ein weiteres Mal zu besuchen, werde ich sie wahrnehmen, denn wow. Leute, dass ist die unglaubliche Schoehnheit unserer Erde unberuehrt und hautnah!